
In China entsteht gerade ein Hotel, das ganz ohne menschliches Personal auskommt. Auf der künstlichen Westinsel der Shenzhen-Zhongshan-Verbindung im Perlflussdelta arbeiten Pudu Robotics und das Unternehmen Shenzhen CTID an einem Haus, in dem Roboter jede Rolle übernehmen: Empfang, Zimmerservice, Reinigung, Essenszubereitung und Gästebetreuung. Erste Testräume sollen Ende 2026 öffnen, die offizielle Eröffnung ist für 2027 geplant. 44 hochwertige Zimmer, ein Restaurant und ein Gym, gesteuert von einem einzigen vernetzten System.
Auch wir bei luca entwickeln gemeinsam mit Hotels Konzepte, mit denen sich ein Haus vollständig ohne Personal führen oder die gesamte Guest Journey digital abbilden lässt. Was möglich ist, ist aber nicht überall sinnvoll und wirft die Frage auf: Wie viel Automatisierung passt eigentlich zu deinem Hotel?
Das Beispiel aus China ist kein Einzelfall. In Japan betreibt die Henn na Hotel Group bereits seit Jahren Häuser, in denen Roboter zum Alltag gehören. Das erste davon hält sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als weltweit erstes Hotel, in dem Roboter arbeiten. An der Rezeption begrüßen dort je nach Standort Dinosaurier-Roboter, humanoide Assistenten oder Hologramme die Gäste. Hinzu kommen automatische Gepäckschließfächer, smarte Schlaf-Technik und Systeme, die Kleidung über Nacht auffrischen.
Was an diesen Vorreitern auffällt, ist weniger die Technik selbst als der Gedanke dahinter. Henn na Hotel formuliert es auf der eigenen Website so: Der Einsatz modernster Technologie sei nie darauf ausgelegt, schnelle Aufmerksamkeit zu erzeugen. Im Kern gehe es immer um eine Frage – „Wie können wir dafür sorgen, dass sich unsere Gäste während ihres Aufenthalts wohler fühlen?" Selbst dort, wo Roboter die Hauptrolle spielen, steht also das Gästeerlebnis im Mittelpunkt, nicht die Spielerei.
Genau diese Haltung teilen wir auch bei luca. Digitale Tools können helfen, den menschlichen Kontakt aber nicht ersetzen. Für uns ist das kein Widerspruch, sondern eine bewusste Entscheidung.
Ein durchgehend automatisierter Betrieb ist für bestimmte Häuser eine sinnvolle Antwort. Er funktioniert dort gut, wo das digitale Erlebnis selbst der Grund für den Besuch ist – etwa in Technik-affinen Destinationen, in denen Gäste die Innovation bewusst suchen. Auch in Märkten mit anhaltendem Personalmangel kann die Technik Lücken schließen, die sich anders kaum füllen lassen. Und für stark standardisierte Konzepte, in denen Abläufe ohnehin gleich bleiben, spielt die Automatisierung ihre Stärken aus: rund um die Uhr verfügbar, gleichbleibend in der Qualität, ohne Wartezeiten.
Wer diesen Weg geht, sollte ihn jedoch konsequent denken. Ein Haus wie das in Shenzhen ist von Grund auf als geschlossenes, vernetztes System gebaut. Die einzelnen Roboter greifen auf dieselbe Intelligenz zurück, vom Empfang über die Lieferung bis zur Reinigung. Diese Geschlossenheit ist es, die das Konzept trägt – nicht der einzelne Roboter.
Für die allermeisten Hotels liegt der Reiz aber nicht im Entweder-oder. Er liegt darin, einzelne Teile gezielt zu automatisieren und die Technik genau dort einzusetzen, wo sie deinem Team und deinen Gästen den größten Nutzen bringt.
Repetitive Aufgaben eignen sich dafür besonders. Ein digitaler Check-in nimmt den Druck aus der Ankunft, gerade zu Stoßzeiten oder spät am Abend. Mobiles Bezahlen verkürzt das Warten am Ende eines Restaurantbesuchs. Eine digitale Gästemappe ist immer aktuell, in mehreren Sprachen verfügbar und spart das laminierte Blatt aus dem Vorjahr. All das läuft im Hintergrund und schafft Freiraum.
Dieser Freiraum ist der eigentliche Gewinn. Denn die Zeit, die dein Team nicht mit Routine verbringt, fließt zurück in den persönlichen Kontakt: das Gespräch beim Empfang, die Empfehlung fürs Abendessen, die kleine Geste, die einen Aufenthalt in Erinnerung bleiben lässt. Technik übernimmt das Wiederkehrende. Menschen übernehmen das, was Gastfreundschaft ausmacht.
Die spannende Erkenntnis aus den Vorreiter-Projekten in Asien ist also nicht, dass Maschinen den Menschen ersetzen. Sie ist, dass selbst die mutigsten Konzepte denselben Maßstab anlegen wie ein kleines Familienhotel: Fühlt sich der Gast wohl?
Automatisierung ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug, mit dem du entscheidest, wo Effizienz hilft und wo der menschliche Moment unersetzlich bleibt. Ein Roboter kann ein Gepäckstück zuverlässig aufs Zimmer bringen. Ob sich jemand willkommen fühlt, entscheidet sich oft an einem Lächeln, an Aufmerksamkeit für die richtige Kleinigkeit, an echtem Interesse.
Die gute Nachricht: Du musst dich nicht zwischen Fortschritt und Nähe entscheiden. Der Weg vieler erfolgreicher Häuser führt über die Mitte. Sie nutzen Technik, um den Alltag zu erleichtern, und gewinnen damit Zeit für die Menschen, die zu Gast sind.
Die Frage ist deshalb nicht, ob du dein Hotel automatisierst, sondern welche Aufgaben du abgibst und welche du bewusst in menschlicher Hand behältst. Wer diese Entscheidung klar trifft, baut einen Betrieb, der technologisch zukunftsfähig ist und trotzdem das ausstrahlt, weswegen Menschen überhaupt verreisen: das Gefühl, willkommen zu sein.
Du musst nicht zwischen „alles digital" oder „alles wie bisher" wählen. Hier sind Bereiche, in denen Teilautomatisierung für die meisten Betriebe sofort Sinn ergibt:
Pre-Arrival: Digitaler Check-in, Zimmerpräferenzen abfragen, Informationen zum Aufenthalt automatisch versenden – das alles kann passieren, bevor dein Gast überhaupt anreist. Dein Team kann sich auf die Ankunft konzentrieren, nicht auf Formulare.
Check-in: Self-Check-in-Terminals oder digitale Prozesse über die App reduzieren Warteschlangen. Aber: Dein Team ist trotzdem da – als Ansprechpartner:in, nicht als Sachbearbeiter:in.
Während des Aufenthalts: Automatische Kommunikation bei Sonderwünschen, digitale Gästemappen, smarte Benachrichtigungen. Alles, was Gäste informiert hält, ohne dass sie suchen müssen.
Check-out und Nachbereitung: Automatische Rechnungserstellung, Bewertungsanfragen, Feedback-Schleifen. So gewinnst du Erkenntnisse, ohne Aufwand zu erzeugen.
Guiness World Records: First robot-staffed hotel (17. Juli 2015)
New Atlas: World's first hotel entirely staffed by robots to open in 2027 (26. Juni 2026)
Pudu Robotics: Pudu Robotics and Shenzhen CTID Co. Ltd Launch the World's First Full-Scenario Robot-Serviced Hotel Project (01. Juni 2026)
Automatisierung im Hotel reicht von einzelnen digitalen Prozessen bis zum vollständig personallosen Betrieb. Vollautomatisierung lohnt sich vor allem dort, wo das digitale Erlebnis selbst der Grund für den Besuch ist, in Märkten mit anhaltendem Personalmangel oder bei stark standardisierten Konzepten. Für die meisten Hotels ist aber die gezielte Automatisierung einzelner Prozesse der sinnvollere Weg.
Nein. Selbst Vorreiter-Projekte wie Henn na Hotel in Japan setzen Technik nicht ein, um Personal zu ersetzen, sondern um das Gästeerlebnis zu verbessern. Technik übernimmt wiederkehrende Aufgaben, echte Gastfreundschaft – das Lächeln, die Aufmerksamkeit, das Gespräch – bleibt Aufgabe deines Teams.
Vier Bereiche eignen sich besonders: Pre-Arrival (digitaler Check-in, Zimmerpräferenzen, automatische Infos vor Anreise), Check-in (Self-Check-in-Terminals oder App, um Wartezeiten zu reduzieren), der Aufenthalt selbst (digitale Gästemappe, automatische Kommunikation bei Sonderwünschen) sowie Check-out und Nachbereitung (automatische Rechnungsstellung, Bewertungsanfragen).